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Deutschland Könnte Bis 2030 410.000 Arbeitsplätze In Der Autoindustrie Verlieren, Behauptet Neuer Bericht
Deutschland Könnte Bis 2030 410.000 Arbeitsplätze In Der Autoindustrie Verlieren, Behauptet Neuer Bericht
Video: Deutschland Könnte Bis 2030 410.000 Arbeitsplätze In Der Autoindustrie Verlieren, Behauptet Neuer Bericht
Video: Klima-Aktivistin trifft Kohlearbeiter: Wie sollte Deutschlands Klimapolitik aussehen? |Seitenwechsel 2023, Februar
Anonim

Deutschlands Nationale Plattform für die Zukunft der Mobilität (NPM) hat einen Bericht veröffentlicht, in dem behauptet wird, dass die deutsche Autoindustrie bis 2030 aufgrund der Veränderungen in der Art und Weise, wie Menschen in Zukunft von A nach B kommen, bis zu 410.000 Arbeitsplätze verlieren könnte wenn mehr Elektroautos statt benzin- oder dieselbetriebenen Autos gebaut werden. Dieses Ergebnis wurde in Schlagzeilen auf der ganzen Welt von Reuters über CNBC bis hin zur New York Times posaunt. Aber was steckt hinter diesen Schlagzeilen? CleanTechnica beschloss, einen Blick darauf zu werfen.

NPM Bericht der deutschen Autoindustrie
NPM Bericht der deutschen Autoindustrie

Beginnen wir damit, herauszufinden, wer der NPM ist und was er tut. So beschreibt es sich auf seiner Website.

Unsere Mobilität befindet sich im Umbruch und die nächsten Jahre werden große Veränderungen mit sich bringen. Wohlstand, Wachstum und technologische Entwicklungen führen zu einer mobileren Gesellschaft und neuen Mobilitätsoptionen. Gleichzeitig wird die Erreichung der Energie- und Klimaziele der Bundesregierung eine zentrale Aufgabe der kommenden Jahre sein.

Um diesen Wandel zu gestalten, hat die Bundesregierung die Nationale Plattform Zukunft der Mobilität einberufen. Ziel des NPM ist es, verkehrsträgerübergreifende Wege für ein weitgehend treibhausgasneutrales und umweltfreundliches Verkehrssystem zu entwickeln, das eine effiziente, qualitativ hochwertige, flexible, verfügbare, sichere, belastbare und bezahlbare Mobilität sowohl im Personen- als auch im Personenverkehr ermöglicht Warentransport.

Henning Kagermann, Vorsitzender des Lenkungskreises NPM, sagt: „Wir denken Mobilität ganzheitlich und verkehrsträgerübergreifend – um Wege aufzuzeigen, wie unser Verkehrssystem in Deutschland klimafreundlich, nachhaltig und bezahlbar gestaltet werden kann Zukunft zu sichern und gleichzeitig den Produktionsstandort Deutschland wettbewerbsfähig zu halten.“

Okay. Kein Haufen wilder Radikaler, sondern eine Gruppe, die von der deutschen Regierung gegründet wurde, um ihr zu helfen, zu verstehen, wie die Zukunft aussehen könnte und wie man die kommenden Veränderungen planen kann. Scheint ein logischer, vernünftiger und angemessener Weg für die Führer einer großen Nation zu sein, sich zu verhalten.

Aufbauend auf vergangener Forschung

Im Jahr 2018 haben das Fraunhofer-Institut und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Berichte veröffentlicht, wonach die Beschäftigung in der deutschen Automobilindustrie bis 2030 deutlich zurückgehen wird. Diese Studien gingen von der Annahme aus, dass bis zu diesem Zeitpunkt 25 % aller in Deutschland hergestellten Autos elektrisch, weitere 15 % sind Plug-in-Hybride.

Diese Annahme ist jedoch zu niedrig, wenn Deutschland seine Ziele zur Emissionsreduzierung im Verkehrssektor erreichen will. Die neuesten Prognosen gehen daher davon aus, dass bis 2030 30 % der Neuwagen batterieelektrisch sein werden. Elektrische Antriebe haben viel weniger Teile als Verbrennungsmotoren und eignen sich für eine automatisierte Produktion.

Derzeit stellen etwa 270.000 deutsche Arbeiter Motoren und Getriebe her. Laut einem Bericht des Handelsblatts schätzt die NAB durch den Umstieg auf Elektroautos diese Zahl um rund 88.000. Aber hinter dem Bau von Autos steckt mehr als nur Antriebe. Es umfasst Subunternehmer und Lieferanten, Metallstanzbetriebe und technisches Personal. Im Extremfall stehen durch den Mobilitätswandel 410.000 Arbeitsplätze auf dem Spiel, davon allein 240.000 im Fahrzeugbau, so der aktuelle NPM-Bericht.

Deshalb haben wir die schmetternden Schlagzeilen. 410.000 Arbeitsplätze verloren! Und das alles wegen dieser neumodischen Elektroautos! Wir müssen rennen und es dem König sagen! Die Realität ist differenzierter. Die NPM-Prognosen basieren auf allen möglichen Veränderungen in der Mobilität, einschließlich mehr Ride-Hailing- und Ride-Sharing-Plattformen und mehr autonomen Fahrzeugen.

Der Rest der Geschichte

Der Verband der Automobilindustrie (VDA) widerspricht der NPM-Analyse vehement. „Der Annahme, dass in den kommenden Jahren bis zu 410.000 Arbeitsplätze wegfallen könnten, liegt ein unrealistisches Extremszenario zugrunde“, sagt Geschäftsführer Kurt-Christian Scheel dem Handelsblatt. Er stellt die Annahme des NPM in Frage, dass der Großteil der Elektroautos und Batterien für den deutschen Markt aus dem Ausland kommen wird. „Diese Annahmen treffen nicht zu“, sagt Scheel.

Der VDA ist sich jedoch einig, dass es in der Motoren- und Getriebemontage deutlich weniger Arbeitsplätze geben wird. Die Herausforderung besteht darin, neue Beschäftigungsmöglichkeiten zu identifizieren und Geschäftsmodelle umzustrukturieren, schlägt der NPM-Bericht vor. „Damit Deutschland als Automobilstandort stark bleibt und Arbeitsplätze schafft, müssen wichtige Wertschöpfungsnetzwerke für die Antriebstechnik der Zukunft wie Batterien, Leistungselektronik, Brennstoffzellen möglichst vollständig in Deutschland erhalten bzw und sein europäisches Umfeld“, sagt Henning Kagerman gegenüber dem Handlesblatt.

Das Volkswagen-Beispiel

Volkswagen versucht, der Kurve voraus zu bleiben. Es wird zwar einen Teil seiner Motoren- und Getriebefertigung verkleinern, aber auch seinen IT-Betrieb hochfahren und erwartet, in den nächsten Jahren 6.000 IT-Ingenieure hinzuzufügen.

Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Manchmal können diese Veränderungen schmerzhaft sein. Nicht jeder, der Speichen für Wagenräder schnitzte, fand Arbeit in den Fabriken von Henry Ford, als die Wagenindustrie in Conestoga zusammenbrach. Einige Regierungen sind damit beschäftigt, Wege zu finden, um die Schmerzen des Technologiewandels zu minimieren. Andere schimpfen über die Veränderungen. Von den beiden Ansätzen scheint Deutschland der vorzuziehende zu sein.

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